Wenn ich ein mehrgängiges Dinner plane, geht es mir immer darum, dass alles stimmig wirkt — vom ersten Gruß zur Tür bis zum letzten Espresso. Eine schöne gedeckte Tischfolge ist mehr als Dekoration: sie erzählt eine Geschichte, schafft Atmosphäre und trägt entscheidend zum Genuss bei. In diesem Artikel teile ich meine ganz persönlichen Schritte und Tricks, damit dein Menü optisch und organisatorisch rund läuft.
Die Idee: Menü, Anlass und Stimmung festlegen
Bevor ich Teller, Gläser oder Servietten auswähle, definiere ich das Menü und die Stimmung. Ist es ein entspanntes Dinner mit Freunden, ein formelles Abendessen oder ein romantisches Dinner zu zweit? Leichte, sommerliche Gänge verlangen eine andere Tischästhetik als ein opulentes Wintermenü.
Ich schreibe mir folgendes auf:
- Art des Abends (locker, festlich, thematisch)
- Anzahl der Gänge
- Gänge mit speziellen Anforderungen (suppenbasiert, kalt, warm, fingerfood)
- Getränke-Begleitung (Wein, Wasser, Aperitif, Digestif)
Die Reihenfolge der Gedecke: praktisch und elegant
Bei mehrgängigen Menüs achte ich darauf, dass das Gedeck den Ablauf widerspiegelt. Klassisch gilt: das Besteck wird von außen nach innen verwendet. Aber wichtig ist auch, dass der Tisch während des Abends nicht zu überladen wirkt.
- Auf dem Platz: ein schönes Platzset oder eine Untertasse, das Hauptteller-Set (unterteller + Suppenteller, falls nötig) und eine Brotplatte mit Buttermesser.
- Besteck rechts: Messer (von außen nach innen: Fischmesser, Hauptspeisenmesser), rechts außen die Suppenlöffel, links die Gabeln (von außen nach innen: Salatgabel, Fischgabel, Hauptgabel).
- Gläser: rechts oben die Weingläser (Weißwein vor Rotwein), dahinter das Wasser- oder Saftglas, ganz optional ein Glas für Champagne/Aperitif vorne links.
- Serviette: auf dem Teller oder links, je nach Stil. Ich liebe Leinenservietten, leicht gefaltet oder mit einem Serviettenring.
Beispielhafte Gedeckfolge für vier Gänge
Hier eine einfache Tabelle, die ich oft benutze, um die Gedecke visuell zu planen:
| Gang | Benötigtes Geschirr | Besteck | Gläser |
|---|---|---|---|
| Aperitif & Amuse-Bouche | kleiner Teller/Schälchen | Kleine Gabel/Löffel | Cocktail/Champagner |
| Vorspeise (z. B. Salat oder Tatar) | Vorspeisenteller | Vorspeisegabel, Fischmesser | Weißweinglas, Wasser |
| Hauptgang | Hauptteller | Hauptgabel, Hauptmesser | Rotweinglas (falls relevant), Wasser |
| Dessert | Dessertteller oder -schale | Dessertlöffel/Gabel | Kaffee/Digestif-Glas |
Material & Farben: Harmonie statt Matchy-Matchy
Ich bevorzuge eine begrenzte Farb- und Materialpalette: maximal drei Hauptfarben fürs Tischbild (z. B. Naturweiß, Olivgrün, Messing-Akzente). So bleibt die Gesamtwirkung ruhig und edel. Porzellan von Marken wie Rosenthal oder Villeroy & Boch passt hervorragend zu rustikaler Handwerkerkeramik oder matten Steinguttellern von Manufakturen. Kombiniere feines Porzellan mit haptischen Elementen wie Leinen, Holz- oder Keramikuntersetzern für Spannung.
Mitten auf dem Tisch: Centerpiece planen
Das Zentrum eines gedeckten Tisches sollte Höhe und Sichtachsen beachten. Ich wähle gerne niedrige Arrangements, damit Gäste sich sehen können, oder mehrere kleine Gruppen statt einem hohen Strauß. Ideen:
- Mehrere kleine Vasen mit einzelnen Zweigen oder saisonalen Blüten
- Kerzen in unterschiedlicher Höhe (Stabkerzen + Teelichter)
- Natürliche Elemente wie Nüsse, Feigen, Eukalyptus-Stängel oder dekorative Kürbisse im Herbst
Wenn das Menü intensiven Geruch hat (z. B. Fisch, Meeresfrüchte), halte ich Blumen dezent, damit sie nicht mit Aromen konkurrieren.
Gläserfolge & Weinbegleitung
Gläser können den Tisch schnell überladen – ich beschränke mich meist auf zwei pro Person plus ein Wasser. Reihenfolge beim Stellen: Wasser, Weißweinglas, Rotweinglas. Für Aperitif ein extra Glas am Beginn des Abends, dass ich später wegräumen lasse.
Ein kleiner Tipp: wenn du Wein dazu servierst, habe die Flaschen in Sichtweite, aber nicht auf dem Tisch. So bleiben die Gespräche fließend und der Tisch luftig.
Platzkarten, Sitzordnung und persönlicher Touch
Ich liebe handgeschriebene Platzkarten – sie signalisieren Wertschätzung und helfen vor allem bei größeren Runden. Für familiäre Abende reicht oft eine einfache Sitzordnung, bei gemischten Gästen überlege ich, Gespräche zu stimulieren: Menschen mit gemeinsamen Interessen nebeneinander, oder bewusst verschiedene Persönlichkeiten kombinieren.
Für einen besonderen Touch nutze ich kleine Geschenke am Platz: ein Kräutersträußchen, ein kleines Glas selbstgemachte Marmelade oder eine einzelne Praline.
Timing, Mise en Place und Ablauf hinter den Kulissen
Gute Planung ist die halbe Miete: Ich richte so viel wie möglich vorab her. Tellerstapel, Besteck und Gläser setze ich schon am Nachmittag; warme Dinge werden kurz vor dem Servieren erhitzt, Desserts kühle ich durch. Wichtige Regeln:
- Gedecke mindestens 30–45 Minuten vor Eintreffen der Gäste fertigstellen.
- Backofen und Herd auf Teile des Menüs vorbereiten (Vorbacken, Warmhalteplatten).
- Wenn möglich, einen Helfer einplanen — selbst kleine Aufgaben wie Nachgießen oder Abräumen lassen den Abend entspannter wirken.
Praktische Checkliste kurz vor dem Eintreffen
- Alle Gläser poliert, Wasserflaschen gekühlt
- Kerzen angezündet (nicht zu früh)
- Musik-Playlist bereit (leise Hintergrundmusik, passend zur Stimmung)
- Küchenfenster gelüftet, aber keine Durchzugsluft über dem Tisch
- Servietten, Brot und Butter bereitgestellt
Flexibel bleiben: Anpassungen während des Abends
Auch die beste Planung braucht Raum für Spontaneität. Wenn ein Gang länger dauert, kürze ich die Zeit zwischen den Gängen oder serviere einen kleinen intermezzo-Sorbet für den Gaumen. Wenn Gäste länger verweilen, entferne ich nicht benötigtes Geschirr und schaffe Platz. Der wichtigste Leitgedanke: Komfort und Gesprächsklima priorisieren.
Wenn du möchtest, schicke ich dir gern eine druckbare Checkliste für die Tischfolge oder Beispiele für Platzkarten-Vorlagen — sag mir nur, wie formal oder leger dein Dinner sein soll.