Porzellan ist für mich mehr als nur Gebrauchsgegenstand: Es erzählt Geschichten, begleitet Feste und verleiht einem gedeckten Tisch das gewisse Etwas. Trotzdem passiert es immer wieder – feine Risse, Kratzer in der Glasur oder unschöne Kalkränder. In diesem Beitrag teile ich meine erprobten Tipps zur Pflege von Porzellan: wie ich Kalk entferne, Kratzer mindere und was bei feinen Rissen zu tun ist. Alles ganz praktisch, mit Mitteln, die man oft schon zuhause hat, und ein paar professionellen Lösungen, die sich bewährt haben.

Alltagspflege: die Basis für langes Porzellanleben

Bevor wir zu Reparaturen kommen, ein Wort zur Prävention. Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn man einige einfache Regeln beachtet:

  • Beim Spülen niemals stark scheuern – ich verwende weiche Schwämme oder Mikrofasertücher.
  • Heiße Teller nie direkt aus dem Ofen in kaltes Wasser tauchen: Temperaturschocks können feine Spannungsrisse verursachen.
  • Porzellan nicht übereinander stapeln ohne Schutz: Filzuntersetzer oder Geschirrtücher zwischen Tellern verhindern Kratzer.
  • Hartes Wasser ist ein Risikofaktor für Kalkablagerungen – hier achte ich auf Wasserenthärter oder regelmäßige Entkalkung.

Kalkränder entfernen: sanft und effektiv

Kalk bildet unschöne Ränder, besonders bei Tassenrand und Innenseiten. Meine liebsten Methoden:

  • Weißweinessig: Tasse oder Kanne mit einer Lösung aus gleichen Teilen Wasser und Essig füllen, einige Stunden stehen lassen, dann ausspülen. Bei hartnäckigen Ablagerungen erneut anwenden. (Nicht bei vergoldeten oder empfindlich dekorierten Stücken verwenden.)
  • Zitronensaft: Frischer Zitronensaft wirkt ähnlich wie Essig, hinterlässt aber einen frischeren Duft.
  • Backpulver-Paste: Backpulver mit etwas Wasser zu einer Paste anrühren, auftragen, kurz einwirken lassen und mit einem weichen Tuch abreiben. Gut bei stärker haftenden Rändern.

Wichtig: Bei antiken Stücken, feiner Vergoldung oder Handmalerei teste ich immer erst an einer unauffälligen Stelle.

Feine Risse (Haarrisse): erkennen und richtig reagieren

Haarrisse sind oft nur in der Glasur sichtbar und verlaufen wie feine Linien. Sie entstehen durch Alterung, thermische Belastung oder Spannungen im Material. Ich unterscheide zwei Situationen:

  • Risse nur in der Glasur (Craquelé): meist rein kosmetisch, bei denen kein Wasser in das Porzellan eindringt.
  • Risse, die tiefer gehen oder undicht sind: hier besteht die Gefahr, dass Schmutz und Bakterien eindringen.

Meine Vorgehensweise:

  • Bei reinem Glasurriss: sanft reinigen und das Stück ausschließlich für trockene Speisen verwenden. Craquelé kann sogar ästhetisch sein und wirkt bei alten Servicen oft charmant.
  • Bei tieferen Rissen: ich nutze eine Kombination aus gründlicher Reinigung und, wenn nötig, Reparatur mit einem lebensmittelechten Porzellan-Kleber oder einer speziellen Epoxidharz-Masse. Hier ist Sorgfalt wichtig: nur Produkte verwenden, die als lebensmittelecht gekennzeichnet sind (z. B. spezielle Porzellanreparatursets aus dem Fachhandel).

Kratzer in der Glasur: was hilft?

Kratzer lassen sich nicht immer vollständig entfernen, aber man kann sie oft deutlich mildern:

  • Polierpaste für Keramik und Glas: Feinpolierpasten wie solche von Autoschleif- oder Glasreparatursets können leichte Kratzer verringern. Ich trage die Paste sparsam auf ein weiches Tuch auf und poliere in kreisenden Bewegungen.
  • Mildes Scheuermittel mit Backpulver: Bei matt erscheinenden Stellen kann eine sehr feine Backpulverpaste helfen. Vorsichtig testen!
  • Professionelle Reparatur: Für teure Stücke (z. B. Meissen oder antikes Porzellan) lasse ich Kratzer lieber vom Restaurator behandeln.

Porzellan kleben: Schritt-für-Schritt

Wenn ein Stück zerbrochen ist, klebe ich es in möglichst wenigen, sauberen Schritten zusammen. Wichtig ist, die Bruchkanten gut zu säubern und trocken zu halten.

  • Reinigen: Bruchkanten entfetten (z. B. mit Isopropanol) und trocknen lassen.
  • Trockentest: Teile ohne Kleber zusammensetzen und die Passform prüfen.
  • Lebensmittelechter Kleber: einen dünnflüssigen, klar trocknenden Porzellan-/Keramik-Kleber verwenden. Alternativ für belastete Stellen: Zwei-Komponenten-Epoxid (lebensmittelechte Variante).
  • Überschuss entfernen: überschüssigen Kleber sofort mit einem feuchten Tuch entfernen.
  • Aushärten lassen: gemäß Herstellerangaben vollständig aushärten lassen bevor das Stück wieder verwendet wird.

Bei Vergoldungen oder feiner Bemalung empfehle ich unbedingt professionelle Restaurierung, denn hier kann falsches Kleben zu weiteren Schäden führen.

Kintsugi: wenn Brüche zu Design werden

Eine ästhetische Alternative ist Kintsugi – die japanische Kunst, Bruchstellen mit goldener oder metallisch wirkender Lackfüllung zu betonen. Ich liebe diese Technik, weil sie Brüche nicht versteckt, sondern zu einem Teil der Geschichte macht. Es gibt Kintsugi-Kits für Heimwerker mit Mörtel und goldener Pigmentlösung. Für wertvolle Stücke würde ich trotzdem einen Restaurator beauftragen.

Tabelle: Methodenvergleich

Problem Hausmittel Profioption Hinweis
Kalkränder Essig, Zitronensaft, Backpulver Wasserenthärter, entkalkende Reinigungsmittel Essig meiden bei Vergoldung
Feine Risse (Glasur) Schonende Reinigung, trocken verwenden Lebensmittelechter Epoxidkleber Test auf Undichtigkeit
Kratzer Feine Polierpaste, Backpulver Restaurator, Glas/Keramikpolitur Bei wertvollen Stücken Profi

Praktische Produkte, die ich benutze

Einige meiner Lieblingshelfer:

  • Ecover oder Frosch (sanfte Spülmittel) für die tägliche Reinigung.
  • Weißweinessig und frische Zitrone gegen Kalk.
  • Porzellan-Reparatursets aus dem Fachhandel (Achtung: auf Lebensmittelechtheit achten).
  • Weiche Mikrofaser- und Baumwolltücher, Filzuntersetzer für die Lagerung.

Besondere Vorsicht bei Vintage- und Designerstücken

Bei antikem Porzellan oder Stücken mit Goldrand rate ich zur Zurückhaltung: Hausmittel können die Dekoration angreifen. Ich teste zuerst an einer unauffälligen Stelle und konsultiere bei Unsicherheit eine Restauratorin oder den Hersteller (z. B. Meissen, Villeroy & Boch oder Rosenthal geben oft Hinweise zur Pflege). Oft ist weniger mehr: sanftes Abwischen statt scharfer Reinigungsmittel.

Ich hoffe, diese Tipps helfen Ihnen, Ihre Lieblingsstücke zu erhalten und ihnen mit sanfter Pflege und gezielten Reparaturen noch lange Schönheit und Nutzen zu schenken. Wenn Sie Fragen zu einem konkreten Fundstück haben, schreiben Sie mir gern – ich freue mich auf den Austausch und teile gern meine Erfahrungen mit speziellen Reparatur-Kits oder Adressen für Restauratorinnen.